Geflüchtet aus Syrien: «Ich hatte Glück!» (de)



Vor einem Jahr ist Ali Resho in Luzern angekommen und hat sich schnell integriert. Der syrische Kurde arbeitet als Koch in Nottwil, spricht bereits Deutsch und gibt während der Aktionswoche Asyl ein Konzert mit dem Saiteninstrument Saz. In die Schweiz kam er mithilfe von Schleppern.


Der 35-jährige Kurde ist im syrischen Dorf El-Haseke aufgewachsen, das nahe bei der türkischen Grenze liegt. «Rojava heisst die Region dort. Das heisst auf Deutsch übersetzt Sonne», sagt Resho, der sein Dorf vor vier Jahren zum ersten Mal verlassen hat. «Die politischen Unruhen haben damals zugenommen, wir waren alle nervös und ich konnte nicht mehr gut schlafen.»

Beim Dorfvorsteher hat der junge Mann um eine Reisebewilligung gebeten, denn als Kurde besitzt er keinen syrischen Pass. Sein Ziel war jedoch nicht Europa, sondern die Türkei. Dort war die politische Situation für Kurden besser. «Ich wollte abwarten, bis sich die Lage in Syrien wieder beruhigen würde.»

Pendeln zwischen Syrien und Türkei

Mit verschiedenen Jobs hat sich der gelernte Koch über Wasser gehalten. Mal auf der Baustelle, mal in hinter der Bar oder als Musiker. Was anfangs gut gelungen ist, wurde immer schwieriger – die Spannungen nahmen zu, für Kurden wurde der Alltag auch in der Türkei mühsam. «Wenn ich Arbeit suchte, war die erste Frage: Du bist Kurde? Dann wollen wir dich nicht!»



Während vier Jahren pendelte Ali Resho immer wieder zwischen der Türkei und Syrien hin und her. Bis die Spannungen unerträglich wurden, der Krieg immer näher rückte und er für sich keine Zukunft in dieser Region mehr sah. «Niemand will in einem Katastrophengebiet leben. Es ist logisch, dass die Menschen flüchten.» Und genau das hat er gemacht: ab nach Europa, hin zu einem besseren Leben.

Auf der Karte und über Internet informierte er sich über die Länder in Europa: Wo kann er sich vorstellen, eine neue Heimat zu finden? «Mein Wunsch war schnell klar: Switzerland!», sagt Ali Resho. Gefallen habe ihm unter anderem, dass es in der Schweiz vier Sprachen gibt. «Ich deutete das als Zeichen für Offenheit und Vielfalt.» Als sein Entschluss gefasst war, sei alles sehr schnell gelaufen. «Ich habe Kontakt mit Schleppern aufgenommen, 4000 Euro bezahlt und 25 Tage später war ich in der Schweiz.» Die Flucht in einem Transporter sei anstrengend gewesen, aber nicht gefährlich. «Ich hatte Glück!»

Den Asylantrag für die Schweiz stellte er im Camp Kreuzlingen, dann erfolgte der Transfer ins Asylzentrum Hirschpark Luzern. Seit drei Monaten hat Ali Resho eine eigene Wohnung in Nottwil, arbeitet dort als Koch in der «Linde», spricht gut verständlich Deutsch und ist mit seinen Nachbarn per Du. In seiner Freizeit fertigt er filigranen Silberschmuck und spielt Volksmusik auf der Saz, einem traditionellen Saiteninstrument.

Ali Resho hat sein Ziel nach einem Jahr schon fast erreicht: Finanziell unabhängig sein und sich privat und beruflich ein Leben aufbauen. «Meine Chancen für eine gute Zukunft sind gut und ich packe sie», sagt er und man nimmt ihm das sofort ab.

Unterschiedliche Menschen machen die Welt bunt

Wie ist es dem aufgestellten Typ gelungen, sich so schnell zu integrieren? «Ich bin neugierig und suche sofort den Kontakt zu den Leuten. So habe ich auch Deutsch gelernt: fragen, diskutieren, mit den Nachbarn plaudern.» Wichtig ist ihm das Interesse an anderen Kulturen, auch das eine gute Voraussetzung für eine schnelle Integration. «Ich informiere mich und schaue, wie es in der Schweiz funktioniert. Was ist besonders und wie leben die Leute hier? Das ist spannend und hilft mit, dass ich ihre Mentalität kennenlerne.» 

Als Ausländer möchte er nicht bezeichnet werden, das klingt in seinen und vermutlich auch in anderen Ohren zu negativ. «Ich bin ein Besucher aus einer anderen Kultur: Mit meiner Sprache, meinen Ideen und meiner Musik bringe ich auch zusätzliche Farbe in das Land und das passt doch zur Schweiz, die sehr vielfältig und offen ist.»

 
Kaynak: Zentralplus 
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